Krafttraining für Läufer?

 

Macht es Sinn, dass Läufer zusätzlich zu ihrem Training die Rumpfmuskulatur kräftigen? Die guten Wettkampfläufer achten peinlich genau darauf, kein Kilo zu viel auf den Rippen zu haben. Ist denn eine gut ausgewählte Rumpfmuskulatur eher schädlich für den Marathonerfolg?

Unbestritten ist, dass ein gutes, natürliches - also muskuläres - Korsett enorm wichtig zur Vermeidung von Rückenproblemen und Bandscheibenleiden ist. Bei der Laufbewegung arbeitet die Bauch- und Rückenmuskulatur durch die Verwringung von Schulter- zur Hüftachse natürlich mit. Diese Muskelaktivität ist aber nur bei stark degenerierter Muskulatur wie beim Laufeinsteiger trainingswirksam. Bei besser trainierten Läufern reicht dieser Trainingsreiz nicht aus, um die Muskulatur über das Lauftraining ausreichend zu kräftigen. Nicht selten sieht man auf den letzten 10 Kilometern des Marathons Läufer mit sehr schlechter Oberkörperhaltung. Dadurch kann die Atmung unökonomisch werden, zudem wird der Laufstil negativ beeinflusst, was die letzten Kilometer zusätzlich erschwert.

Deswegen sollten auch ambitionierte und besser trainierte Läufer sowie Freizeitläufer ihre Rumpfmuskulatur regelmäßig kräftigen, um einerseits einen guten Laufstil auch bei längeren Laufdistanzen aufrecht erhalten zu können, andererseits Rückenschmerzen und Bandscheibenleiden zu vermeiden.

Was aber, wenn es schon so weit kam, dass der Rücken Schwierigkeiten macht? Orthopäden und Chirotherapeuten können natürlich kurzfristig Linderung durch Einrenken und Spritzen bzw. Schmerzmittel erreichen. Auch Massagen, krankengymnastische Behandlungen oder auch Korsagen können eine kurzfristige Entlastung des Rückens bringen. Langfristig kommt der Sportler aber nicht herum, regelmäßig aktiv etwas für seine Muskulatur zu tun.

Orthopäden sind meist sehr zurückhaltend und bremsend beim Thema Laufen bei Rückenschmerz. Wir machen jedoch oft die Erfahrung und bekommen Berichte von Läufern, die gerade durch das Laufen ihren Rückenschmerz in den Griff bekommen haben. Die Mechanismen dahinter können eine erhöhte Stressbelastung sein, die den Rückenschmerz provozieren. Der Volksmund zeigt es mit Floskeln wie „der Chef hängt mir im Nacken“ oder „der erboste Kunde liegt mir im Kreuz“. Laufen im Flow ist eine ideale Form, diesen Stress loszuwerden und aufzuarbeiten. Voraussetzung für den Einstieg ins Laufen bei Rückenschmerz ist allerdings eine stabile Rückenmuskulatur und keine akute Problematik.

Fazit: Kräftige mindestens einmal, besser 2 - 3 x Deine Bauch- und Rückenmuskulatur, um Dir diese Probleme zu ersparen und so Unterbrechungen Deines Lauftrainings zu vermeiden.